„Liebe für alle, Hass für keinen“ | Friedenspolitik, Integration und Religionsfreiheit im Mittelpunkt eines Besuchs des BSW in der Khadija-Moschee in Berlin Heinersdorf
Der Leitsatz der Ahmadiyya Muslim Jamaat, „Liebe für alle, Hass für keinen“, prägte auch das Gespräch zwischen Vertretern des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und der Gemeinde der Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf. Andreas Kübler, Direktkandidat des BSW für den Pankower Wahlkreis 1 (Karow, Buch und Buchholz) und Vorsitzender des BSW-Bezirksverbandes Pankow sowie Thomas Krings, Kandidat des BSW Pankow für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), folgten einer Einladung von Imam Scharjil Khalid, um sich über die Arbeit der Gemeinde und gemeinsame gesellschaftliche Herausforderungen auszutauschen.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat: Eine besondere muslimische Gemeinschaft
Die Khadija-Moschee gehört zur Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), einer 1889 in Indien gegründeten islamischen Reformgemeinschaft. Mit vielen Millionen Mitgliedern in mehr als 220 Ländern zählt sie weltweit zu den größten organisierten muslimischen Gemeinschaften. Gleichzeitig ist sie in den meisten islamisch geprägten Staaten selbst eine religiöse Minderheit und setzt sich seit ihrer Gründung für friedliches Zusammenleben, religiöse Toleranz und den Dialog zwischen den Kulturen ein.
Die 2008 eröffnete Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf war die erste neu errichtete Moschee im Ostteil Berlins. Die Gemeinde engagiert sich regelmäßig in sozialen Projekten, organisiert Tage der offenen Tür, Wohltätigkeitsaktionen, Blutspenden, Nachbarschaftsinitiativen und zahlreiche Dialogveranstaltungen mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Religion.
Ein Gespräch über Frieden, Demokratie und Integration
Imam Scharjil Khalid stellte den Gästen die Schwerpunkte der Gemeinde vor. Dabei betonte er insbesondere die Orientierung am Weltfrieden, die klare Trennung von Staat und Religion sowie die finanzielle Unabhängigkeit der Gemeinde von ausländischen Geldgebern. Ebenso hob er hervor, dass die Ahmadiyya-Gemeinde großen Wert auf die Achtung des deutschen Grundgesetzes legt und ihre Mitglieder aktiv beim Erwerb der deutschen Sprache sowie bei der Wahrnehmung ihrer bürgerlichen Rechte unterstützt.
Obwohl der islamische Religionsunterricht für die Gemeinde ein zentrales Anliegen darstellt, steht sie einem gemeinsamen Ethikunterricht als verbindendem und integrativen Element für alle Schülerinnen und Schüler nicht ablehnend gegenüber.
Scharjil Khalid, der selbst in Deutschland aufgewachsen ist, machte deutlich, dass er sich und seine Gemeinde als selbstverständlichen Teil Deutschlands versteht. Integration bedeute aus seiner Sicht nicht die Aufgabe der eigenen religiösen Identität sondern die aktive Mitgestaltung der Gesellschaft auf der Grundlage gemeinsamer demokratischer Werte.
Viele Übereinstimmungen mit den Positionen des BSW
Für die beiden Besucher, einen Atheisten und einen Christen, war das Gespräch von großer Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt. Dabei wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den Positionen des BSW Pankow und denen der Gemeinde deutlich.
Im Zentrum stand der gemeinsame Wunsch nach Frieden und internationaler Verständigung. Die Gemeinde setzt sich seit Jahren für Dialog und Gewaltfreiheit ein. Auch das Wahlprogramm des BSW Pankow hebt Frieden, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Verständigung und den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft als zentrale politische Ziele hervor.
Übereinstimmungen zeigten sich auch in der Bewertung des Nahostkonflikts. Das BSW bewertet die israelische Kriegsführung im Gazastreifen sowie die militärischen Operationen im Westjordanland als schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht. Beide Parteien äußerten ihre große Sorge über das Leid der Zivilbevölkerung und kritisierten die anhaltende Gewalt. Nach Auffassung des BSW müssen die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen klar benannt und verurteilt werden. Die Partei fordert einen sofortigen Stopp deutscher Rüstungsexporte nach Israel und hat hierzu mehrfach Anträge im Deutschen Bundestag eingebracht. Aus Sicht des BSW macht sich Deutschland durch die Fortsetzung dieser Waffenexporte mitschuldig an den Verbrechen im Gazastreifen und im Westjordanland. Um den Druck auf die israelische Regierung zu erhöhen, fordert das BSW zudem die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen Israel und der Europäischen Union. Darüber hinaus spricht sich die Partei für eine Zwei-Staaten-Lösung aus, die einen unabhängigen palästinensischen Staat neben Israel auf Grundlage der Grenzen von 1967 vorsieht, wobei Ost-Jerusalem die Hauptstadt Palästinas bilden soll.
Daneben bestand Einigkeit darüber, dass irreguläre Zuwanderung wirksam begrenzt werden sollte. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass Deutschland besonders Menschen Schutz gewähren müsse, die vor Verfolgung fliehen. Ein gemeinsames Anliegen ist es jedoch auch, dass Personen, die religiöse Minderheiten verfolgen oder die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnen, nicht nach Deutschland einwandern sollten.
Religionsfreiheit auf Grundlage des Grundgesetzes
Im Gespräch wurde deutlich, dass die Positionen der Gemeinde und des BSW in wesentlichen Fragen der Religionspolitik nahe beieinanderliegen. Beide Seiten bekennen sich zur Religionsfreiheit, zur Gleichbehandlung aller Glaubensgemeinschaften und zur Trennung von Staat und Religion.
Das BSW bekräftigte seine Überzeugung, dass alle Religionen zu achten sind und die freie Religionsausübung durch das Grundgesetz geschützt werden muss. Gleichzeitig sei es Aufgabe des Staates, weltanschaulich neutral zu bleiben und die gleichen Rechte für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.
Bereicherung für Heinersdorf, Pankow und Berlin
Zum Abschluss des Besuchs würdigten Andreas Kübler und Thomas Krings die Rolle der Khadija-Gemeinde für das gesellschaftliche Miteinander in Berlin.
Die Khadija-Moschee und ihre Gemeinde zeigen, wie religiöses Leben, gesellschaftliche Verantwortung und erfolgreiche Integration zusammengehen können. Der Leitsatz ‚Liebe für alle, Hass für keinen‘ ist dabei nicht nur ein Motto, sondern wird sichtbar gelebt. Solche Gemeinden sind eine Bereicherung für Heinersdorf, Pankow und ganz Berlin.
Der Besuch machte deutlich, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Politik, Religionsgemeinschaften und Bürgern ist. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und internationaler Konflikte können Begegnungen wie diese dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und den Zusammenhalt in unserer Stadt zu stärken. Grundlage hierfür bleiben die Werte des Grundgesetzes, gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, miteinander statt übereinander zu sprechen.
Interessante Quellen und Links:
- Download Kurzwahlprogramm für Pankow
- Wahlprogramm auf Landesebene
- Arabische Ansprache von Michael Lüders | خطاب باللغة العربية ألقاه مايكل لودرز
Autoren: Thomas Krings, Andreas Kübler
Photos: privat